Dicht zu bauen liegt im Eigeninteresse von Planern und Handwerkern

Seit Jahrzehnten schreiben Regelwerke eine „dauerhaft luftdichte" oder auch „luftundurchlässige Bauweise nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik" vor. Damit wird die dichte Bauweise selbst zur anerkannten Regel der Technik und gilt auch dort als verbindlich, wo ausdrückliche Vorschriften und Vereinbarungen fehlen, zum Beispiel bei vielen Sanierungen.

Schon allein darin sollte für Handwerker und Planer genügend „Sinn" liegen, um dicht zu bauen. Denn spätestens im Streitfall stehen sie dafür gerade, die geschuldete Dichtheit nicht geliefert zu haben. Auch der gute Ruf nimmt irgendwann Schaden, wenn man schlechter arbeitet, als gefordert: Dicht zu bauen liegt im eigenen Interesse jedes Planers und Handwerkers.

Kleine Ursache – große Wirkung: ein Praxisbeispiel
Die meisten Gutachter kennen Fälle wie diesen: Um einen ungedämmten, ungeheizten Dachspitz als Lagerraum nutzen zu können, wurden in die gedämmte Kehlbalkendecke eine Bodentreppe eingebaut und über der Kehlbalkenlage Holzwerkstoffplatten verlegt. Schon nach kurzer Zeit zeigt die Platte um die Bodenluke herum feuchte Stellen. Eine erste Bauteilöffnung ergibt, dass die Dämmung durchfeuchtet ist und es bereits Hinweise auf Schimmelbefall gibt. Nach weiterer Suche steht fest: Der Rahmen der Bodentreppe wurde nicht korrekt an die Dichtheitsebene (Folie) der Kehlbalkendecke angeschlossen. Dadurch strömt feucht-warme Raumluft in die Konstruktion ein und schlägt sich an kälteren Stellen nieder. Die verantwortliche Firma muss nicht nur die feuchten Materialien austauschen und eine vollständig dichte Anbindung der Bodentreppe sicherstellen: Ihre gesamte Arbeit an der Kehlbalkendecke wird hinterfragt. Tatsächlich finden sich weitere betroffene Stellen wie undichte Folienanschlüsse ans Mauerwerk und Foliendurchdringungen. Sämtliche nötigen Nacharbeiten summieren sich zu einem beträchtlichen Kostenfaktor – vom Vertrauensverlust ganz zu schweigen.

Tipp: Generalverdacht vorbeugen!
So lange die Schadensursache nicht eindeutig festgestellt wurde, kommt es immer wieder vor, dass alle, die mit der (luft-)dichten Ebene zu tun hatten, in Generalverdacht geraten. Da kann es jede Menge Nerven sparen, wenn man die eigene, sorgfältige Arbeit entsprechend dokumentiert hat, beispielsweise durch Schnappschüsse mit dem Smartphone. In manchen Fällen bietet es sich auch an, zum Abschluss seines Gewerks eine zusätzliche Leckagesuche per Blower-Door zu veranlassen. Dann kann man nicht nur gleich nachbessern, sondern vor allem auch belegen, dass man später auftretende Probleme mit der Dichtheitsebene nicht verschuldet hat.


Weitere Informationen

Welche Folgen einer undichten Bauweise zu Reklamationen und entsprechendem Ärger führen können, lesen Sie hier.